Horst Gauss

Kurt Rappsilber war der erfolgreichste Boxer des FSV Frankfurt. Er war Deutscher Meister 1934 und 1935 im Fliegen-und im Bantamgewicht. Später war er Jahrzehntelang Trainer und prägte wie kein anderer das Gesicht des Vereins.

Geschichte der Boxabteilung des FSV Frankfurt

Fussball – Sportverein (FSV) Frankfurt 1899 e.V

Boxen

Von Willi Klaus geschrieben am 1.8.2009

Schon bald nach Gründung der Boxabteilung des FSV im Jahr 1928 stellten sich die ersten Erfolge ein. Trainer und Abteilungsleiter Karl Feldhus (der nach dem Krieg in München lebte und gemeinsam mit Oskar Sänger Bundestrainer wurde) konnte sich jedenfalls über die positive Entwicklung freuen, zumal sich seine Kämpfer nicht nur auf Kreis -und Bezirksebene sondern auch bei Südwestdeutschen und Süddeutschen Titelkämpfen hervortaten. Von der alten Garde war es zuerst Julius Röder, der den Titel eines Deutschen Meisters erkämpfte, aber leider nur für 24 Stunden. Vom Kampfgericht wurde ihm nämlich der Titel wieder abgesprochen. Seine Bandagen hatten nicht den Vorschriften entsprochen. Die erste richtige Deutsche Meisterschaft holte Philipp Baum im Fliegengewicht im Jahr 1931. Damit nahte auch bereits die Zeit von Kurt Rappsilber, dem bekanntesten Boxer, der je aus dem FSV hervorging. Gleich zweimal ließ er sich 1934 (Fliegengewicht) und 1935 (Bantamgewicht) die Meisterschärpe umhängen. Der Bantamgewichtler hatte damals einen Stammplatz in der Nationalstaffel und war auch für die Olympiade 1936 nominiert, konnte aber wegen einer Verletzung nicht teilnehmen. Bei anderen repräsentativen Aufgaben unersetzbar, im In-und Ausland buchte er bedeutende Erfolge. Abteilungsleiter wurde in Dr. Menningen ein Mann, der viele Jahre in mehreren Funktionen für den Verein tätig war.

Zu dieser Zeit hatte der FSV überhaupt eine sehr gute und komplett besetzte Staffel. Die Siege über Mannheim, Stuttgart, Nürnberg, Kassel, Würzburg, Leipzig und Köln brachten allgemeine Anerkennung. Entsprechend groß war der Andrang bei den Kämpfen, die zunächst im Schützenhof und im Josefsheim, später im Keglerheim in der Wingertstraße, aber auch als Freiluftveranstaltungen am Bornheimer Hang ausgetragen wurden. Viele tausend Menschen drängten sich um den Boxring. So war es fast eine logische Folge, dass in der Stadt- und Gauvertretung der FSV mit mehr als der Hälfte seiner Kämpfer vertreten war. Bei allem Erfolgsstreben wurde gleichzeitig der Sinn einer intensiven Jugendarbeit erkannt. Die komplette Jugendstaffel war ein besonderer Stolz der FSV -Boxer vor dem Krieg.

Als es nach dem Krieg wieder los ging, bemühten sich Abteilungsleiter Georg Frisch und der nun als Trainer engagierte Kurt Rappsilber – als Profi wurde er in diesen Tagen zweimal Deutscher Meister – um den Neu-Aufbau.

Innerhalb kurzer Zeit waren die Bemühungen von Erfolg gekrönt.

Der FSV hatte wieder auf Jahre eine komplette Staffel mit Karlheinz Schell, Kurt Städter, Kurt Reitinger, Kurt Fischdick, Adolf Diemer, Stern, Heinz Lindner, Karlo Albert, Salto-Müller, Laufer, Koller , Reis, Walter(Lieschen) Pfeiffer und Heinz Bettendorf um nur einige zu nennen.

Die Turnhallen, zunächst in der Herder-Schule und dann in der Lersner-Schule, waren zum Training dienstags und freitags von 20.00 Uhr bis 22.00 Uhr regelmäßig mit 40 Aktiven besetzt. Der Nachwuchs war bei den ersten Meisterschaften nach dem Krieg in Hessen (amerikanische Zone) 1946/47 mit Ernst Schnabel, Willi Klaus, Karlheinz Friedauer, Raab und Bredler sehr erfolgreich. Willi Klaus wurde nach halbjährigem Training bereits Bezirks - Südhessischer und Hessischer Jugendmeister und im Jahr 1949 Hessischer Juniorenmeister. Vizemeister wurden Friedauer, Raab und Bredler.

1947 kam Hans Nüßgen aus englischer Gefangenschaft (in Afrika) beruflich nach Frankfurt und wurde Mitglied beim FSV. Als Sportwart beim FSV und im Hessischen Amateur-Boxverband machte er sich durch seine Fachkompetenz und sein verbindliches Wesen sehr schnell einen guten Namen.

1950, nach dem Tod des HABV- und DABV- Präsidenten Georg Dietrich wurde er dessen Nachfolge als HABV- Präsident. Hans Nüßgen war in vielen Gremien des DABV und als Punkt- und Ringrichter auch während der Olympiade 1964 in Tokio eingesetzt.

Nach Georg Frisch hat Ernst Gelsheimer die Abteilungsleitung übernommen sowie Josef (Seppel) Belz (ehemals erfolgreicher Boxer in der FSV- Staffel) der als hervorragender Sekundant besonders Heinz Bettendorf, Ernst Schnabel und Willi Klaus zu Meisterschaftsehren gebracht hat. Ernst Gelsheimer war viele Jahre der Organisator der Boxabteilung und väterlicher Freund der FSV- Boxer und seine Frau Leni eine große Stütze für die Abteilung.

Die den Boxern sehr gewogenen Amerikaner als Besatzungsmacht, haben vor und nach der Währungsreform 1948, vielfach fast wöchentlich hochklassige Boxveranstaltungen u.a. für FSV- Boxer im Offizierskasino IG-Hochhaus, Flughafen Air Base, Theater Schumann-Keller, Kurhaus Bad Soden gemeinsam mit dem HABV organisiert und in diesen Zeiten der Not für reichlich Essen, Schokolade. Kampfkleidung und Boxschuhe gesorgt. Die Einladungen nach Stuttgart, Wetzlar, Mannheim, Karlsruhe, Köln und Würzburg zeigten, dass der FSV ein gefragter Gast mit gutem Namen war. Das war der Verdienst von Heinz Bettendorf, der nach Siegen bei den Hessischen und Süddeutschen Meisterschaften 1949 den Deutschen Titel im Halbschwergewicht gewann. Weitere Erfolge wurden in dieser Zeit bei den verschiedensten Gelegenheiten erzielt, der FSV war in Frankfurt die Nummer Eins bei den Boxern, das beweisen nicht nur die Derby-Siege gegen Eintracht und Rot-Weiß, die ebenso wie die Kämpfe gegen den BC Rüsselsheim (Hessischer Mannschaftsmeister) zu den Höhepunkten dieser Jahre zählten.

Der beliebteste Amateurboxer in den 50er Jahren kam ebenfalls vom FSV, es war der Federgewichtler Ernst Schnabel, dem bei den Kämpfen im Althof-Bau immer wieder der Jubel der Massen zuteil wurde. Trotz beachtlicher nationaler und internationaler Ergebnisse gelang es ihm aber nie der ganz große Durchbruch. Ein dritter Platz bei den Deutschen Meisterschaften war sein größte Erfolg. Walter Fischer kam 1955 mit 27 Jahren als Schwergewichtler zum FSV und machte mit 28 Jahren seine ersten Kämpfe. 3 Jahre später wurde er zum Abteilungsleiter der FSV- Boxabteilung gewählt. Nach seinem Umzug nach Wiesbaden wurde er Trainer beim WABC und gründete hiernach den eigenen Verein, den ABV Kohlheck und ist bis heute einer der erfolgreichsten Trainer des HABV. Zwischenzeitlich war er im Verband als Pressewart tätig.

Mit Beginn der 60er Jahre lenkten Abteilungsleiter Norbert Trunski, Sportwart Werner Kammerer (die Mutter der Kompanie), Trainer Willi Klaus (Jugendwart im Hessischen Amateur-Boxverband, Ring- und Punktrichter) die Geschicke der Abteilung. Der Star in diesen Tagen war Jean-Andre´ Emmerich, der sich 1966 und 1967 die Deutsche Juniorenmeisterschaft im Halbschwergewicht holte und 1970 in dieser Gewichtsklasse die Deutsche Vize-Meisterschaft gewann, später wurde er dann auch Meiser bei den Profis. Als nach dem Ende der 50er Jahre die Boxer der alten Boxstaffel aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung standen, konnte mit dem Nachwuchs sehr schnell wieder eine schlagkräftige (mit vielen Meistertiteln) Boxstaffel etabliert werden. Es waren in den nächsten Tagen vor allem Norbert Karrasch, Heinz Wiedlein., Günter Maas, Günter Bradtke, Kurt Mönch, Willi Schimmel, Arnold Seipel (Pat), Wolfgang Schneider, Karlheinz Prell, Hans Kress, Walter Madsen, Roland Schopf, Horst Weil, Horst Müller, Toni Pancis, Klaus Amthor, Bodo Wüsten, Karl Pallutz, Wolfgang (Watschi) Wawrzyniak, Karlheinz Diemer, Franz Lang, Alfred Noltsch, Gunther Kläger, Karlheinz Trepke, Turgut Isman, Rudi Kern, Heinz Norbert Schäfer, Heino Petschner, Erwin Walter, Dieter Bassing, Imanuel Nyondi, Georg Wiese, Arpad Majay und nicht zuletzt Jean-Andre Emmerich.

1968 übergab Norbert Trunski die Abteilungsleitung dem zugleich noch aktiven Boxer Wolfgang Wawrzyniak.

Durch die Auflösung der Boxabteilung von Rot-Weiß Frankfurt, wechselten die in Freundschaft mit dem FSV verbundenen Werner Kammerer als Sportwart und die Kämpfer Rudi Reuter, Klaus Feih, Willi Smarsly, Norbert Bohn, Karlheinz Brunngräber und Schwergewichtler Rügemer, als große Verstärkung und Mitglieder zum FSV.

Der letzte große FSV-Boxer war Michael Schäfer, der 1974 und 1975 zweimal Deutscher Vizemeister im Halbmittelgewicht wurde. Um national und international im Geschäft zu bleiben, verließ Schäfer den Verein und wechselte zum Bundesligisten Bayer Leverkusen. Die Zeit für Boxclubs in den Großstädten war vorbei und nicht nur beim FSV stellten sich Nachwuchssorgen ein. Das Interesse der Jugend galt anderen Sportarten, dazu wurde das Boxen Mitte der 70er Jahre wegen seiner Härte zusehends abgelehnt. Die letzten Kämpfe der FSV-Boxer in der Turnhalle der TG Bornheim in der Falltorstraße mussten dann auch schon 1971 in einer Kampfgemeinschaft mit dem BC Ringfrei ausgetragen werden.

Eine Abteilung, die sich immer selbst getragen hatte und oft als leuchtendes Beispiel im Verein hingestellt wurde, musste schließlich geschlossen werden. Was bleibt, sind viele Erinnerungen an schöne und erfolgreiche Zeiten.

Bis heute (2009), meist im Spätsommer oder Herbst, findet ein jährlicher Boxertreff der Frankfurter Boxer mit weitaus größter Beteiligung ehemaliger FSV- Boxer im Stadion (Commerzbank-Arena) statt.ärte zusehends abgelehnt. Härte zusehends abgelehnt. Die letzten Kämpfe der FSV-Boxer in der Turnhalle der TG Bornheim in der Falltor-Straße.